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1993 (15) Heft 1

James S. Coleman's Foundations of Social Theory II

 


Editorial | Inhalt | Abstracts

In ANALYSE & KRITIK 2/92 wurde mit Beiträgen von Hartmut Esser, Karl-Dieter Opp, Russell Hardin, Norman Braun, Werner Raub, Dennis C Mueller und Peter Kappelhoff ein Symposium zu James S. Colemans vielbeachteten Buch Foundations of Social Theory eröffnet. In dem vorliegenden Heft wird dieses Symposium mit Beiträgen von Peter M. Blau, Raimo Tuomela, Andreas Diekmann, Michael Baurmann sowie einer Erwiderung von James S. Coleman weitergeführt. Ein Aufsatz von Michael Taylor wurde zwar nicht als Beitrag zu diesem Symposium geschrieben, behandelt aber eine Thematik, die für eine Auseinandersetzung mit dem Ansatz Colemans unmittelbar einschlägig ist.

Die Diskussion wird eröffnet durch einen Kommentar von Peter M. Blau. Blau stimmt mit Coleman zunächst darin überein, daß sich soziale Phänomene nur dann auf soziale Ursachen zurückführen lassen, wenn drei Fragen beantwortet werden können: Welche Motive rufen soziale Strukturen auf seiten der Akteure hervor? Wie beeinflussen diese Motive die individuellen Handlungen der Akteure? Auf welche Weise entstehen aus den individuellen Handlungen die zu erklärenden sozialen Phänomene? Anders als Coleman glaubt Blau allerdings nicht, daß bei einer solchen Erklärung soziale Makrophänomene auf individuelle Handlungen zurückgeführt werden können, sondern daß individuelle Handlungsmöglichkeiten und Restriktionen ihrerseits auf der Basis vorgegebener struktureller Bedingungen erklärt werden müssen. Blau ist aus diesem Grunde der Auffassung, daß Colemans Analyse des Verhältnisses zwischen Makrostrukturen und Mikrofundierung ,vom Kopf auf die Füße gestellt, werden müsse.

Raimo Tuomelas Kommentar konzentriert sich auf Colemans Theorie kollektiven Handelns, die er im wesentlichen als komplementär zu seiner eigenen Theorie des Gruppenhandelns einschätzt. Es geht ihm deshalb nicht um eine grundsätzliche Kritik an dem Ansatz Colemans, sondern um Ergänzungen und Korrekturen aus einem philosophisch-begrifflichen Blickwinkel. Als Hauptpunkt hebt Tuomela seine von Coleman abweichende Definition eines Kollektivs bzw. einer Gruppe hervor: Nach Tuomelas Auffassung muß eine adäquate Theorie sozialen Handelns in der Definition des Begriffs der Gruppe und des kollektiven Handelns vom Konzept der "gemeinsamen Intention" Gebrauch machen. Ein solcher Bezug auf Intentionen sei im Fall kollektiven Handelns ebenso unverzichtbar wie im Fall individuellen Handelns.

Im Mittelpunkt des Beitrags von Andreas Diekmann steht der Begriff des "Sozialkapitals", der in der Theorie Colemans eine wichtige Rolle spielt: Das Bestehen von Sozialkapital im Sinne eines stabilen Netzwerkes von kooperativen Beziehungen kann nach Coleman das Auftreten sozialer Dilemmata verhindern. Diekmann knüpft an diese Auffassung an und zeigt anhand verschiedener Beispiele, daß Sozialkapital in der Tat einen kooperationsfördernden Faktor darstellt. Er weist aber darauf hin, daß noch keine operationale Fassung des Begriff des Sozialkapitals und noch keine stringente Theorie vorliegt, die eine Deduktion empirisch überprüfbarer Hypothesen erlauben würde.

Im Zentrum von Michael Baurmanns Analyse steht Colemans Theorie der Beziehung zwischen Rechten und Normen. Baurmann versucht zu zeigen, daß Colemans Ansatz, den Begriff der Normexistenz auf den Begriff sozialer Rechte zurückzuführen, nicht haltbar ist, sondern daß im Gegenteil der Begriff sozialer Rechte mit Hilfe des Normbegriffs definiert werden muß. Aus dieser Umkehrung folge unter anderem, daß Colemans Angriff auf die normative Ethik zurückgewiesen werden könne.

Der Aufsatz von Michael Taylor formuliert in einem wesentlichen Punkt eine grundsätzlich alternative Auffassung zu dem Ansatz, den Coleman in Foundations of Social Theory vertritt: Taylor ist der Auffassung, daß das Phänomen sozialer Kooperation nicht zureichend erklärt werden kann, wenn man soziales Handeln allein als Ausdruck rationaler Nutzenmaximierung versteht. Es sei dagegen notwendig, 'normative Überzeugungen' zu berücksichtigen, die Akteure auch dann zur Kooperation bewegen können, wenn kooperationsfeindliche Anreizstrukturen bestehen - nur die Einbeziehung der Handlungswirksamkeit solcher normativer Überzeugungen ermögliche auch eine befriedigende Erklärung dafür, in welcher Weise Sozialkapital im Sinne Colemans Probleme kollektiven Handelns lösen könne.

In seiner Erwiderung geht James S. Coleman auf die Kommentare von Blau, Tuomela, Diekmann und Baurmann ein. Colemans Antwort auf die Beiträge zum ersten Teil des Symposiums im Heft 2/92 erscheint in der nächsten Ausgabe ANALYSE & KRITIK 2/93.

 

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